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besitznichtbesitz1
Eine Theaterperformance zwischen Arm und Reich.

Die Idee zu "besitznichtbesitz" entwickelte Heike Scharpff anläßlich der Ausschreibung "Spiel unter Druck", womit das TAT Frankfurt in seiner letzten Spielzeit Projekte zum Thema "Soziale Choreographie" suchte. besitznichtbesitz wurde ausgewählt und mit zwei Aufführungen Ende Mai 2004 im Bockenheimer Depot realisiert. Dabei kooperierten die Theatermacher mit dem Tagestreff für Wohnsitzlose "Weser5".

Das in unserer Leistungsgesellschaft vorherrschende Leitbild des Erfolgreichen und Leistungsfähigen macht den sozial Schwachen zum Normverletzer. Der Beobachter, der nur den "Versager" oder "Faulenzer" wahrnimmt, hinterfragt die eigenen Kategorien selten. Dabei enthalten sie eine Reihe von Widersprüchen. Dass mancher Steuerhinterzieher der Allgemeinheit mehr Kosten verursacht als viele Sozialhilfeklienten, führt beim Steuer-hinterzieher nicht zu einer vergleichbaren Stigmatisierung. Darüber hinaus fußt die Feindschaft gegen sozial Schwache oft auf der Fiktion der Vollbeschäftigung, die die aktuelle Realität des Arbeitsmarktes ausblendet. Sie drückt sich im Alltag in der Parole aus: "Wer arbeiten will, findet auch Arbeit." Wie andere Minderheiten erscheinen auch sozial Schwache durch die Brille des Vorurteils gesehen als gleichförmige Masse. Individuelle Unterschiede auf dem Weg in die Armut verblassen. besitznichtbesitz will den einzelnen Menschen wieder ein
Gesicht geben.

Das Ziel des Projektes war es, eine Gruppe aus wohnsitzlosen bzw. armen sowie wohlhabenden Menschen zu bilden, die ihre persönlichen Geschichten zu 'Besitz' und 'Nichtbesitz' in einer durch und durch materialistisch geprägten Gesellschaft im Rahmen einer Performance erzählen. Leitfragen waren: Wie sehen die Lebenswirklichkeiten von Besitzenden und Nichtbesitzenden aus? Welche Freiheit bringt Besitz, welche Nicht-Besitz? Wie selbstbestimmt ist das Leben eines Nichtbesitzenden? Wie stark ist die Identifikation mit der
eigenen Lebenswirklichkeit? Gibt es noch Ausbruchs-möglichkeiten? Welche Lebensträume gab oder gibt es?

Tatsächlich fanden sich drei zur Zeit obdachlose, sowie vier
von Sozialhilfe lebende Menschen, die vier Wochen lang regelmäßig an den Proben und an den Aufführungen teilnahmen. Es konnten allerdings keine finanziell unabhängigen Menschen, also wirklich wohlhabende, reiche Menschen gewonnen werden, die bereit gewesen wären, an Proben und Aufführungen mit Wohnsitzlosen teilzunehmen. Statt dessen wirkten drei gut situierte, mitten im Arbeits- und Konsumleben stehende Menschen bei dem Projekt mit.

Aus der Probenarbeit entwickelte sich eine Aufführung mit einer starken theatralischen Form, in der die Teilnehmer/innen Fragmente ihrer eigenen Lebensgeschichte erzählten. Unterstützt wurden die Performer von einem professionellen Schauspieler und zwei Musikern. Das Publikum in zwei ausverkauften Vorstellungen (jeweils 300 Zuschauer/innen) reagierte begeistert auf die Authentizität der Mitspieler.

Spieler besitznichtbesitz1:
Andreas, Bonsai, Franky, Gala, Gina, Jimy, Marco, Margit, Micha, Michelle & Matthias Scheuring als Glücksfee.
Musik: Ina Kleine-Wiskott, Martin Lejeune.
Regie: Heike Scharpff
Ausstattung: Stephan Rinke.
Regieassistenz: Steffen Schmidt; Dramaturgie: Regine Eckel.